KV – Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig e.V.




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Exhibition June 05 — August 14, 2021
Soft Opening on June 04, 2021 from 15—21h

The exhibition Baroque Topologies brings together international positions of contemporary art that, in their own complexity as well as in the moment of this contextualization, span a formal and thematic web that attempts to make the present tangible through the lens of the Baroque.

Accompanying the exhibition is a reader that sees itself as an experimental field of different modes of interpretation and as a reflection on the state of text production in the field of contemporary art.

Maya Ben David
Jonathan Castro
Simon Denny
UCC Harlo
Su Yu Hsin
Mathieu Malouf
Arnold Trautwein
Jonas Wendelin
Leah Walker
Cajsa von Zeipel

with text contributions by
Kea Bolenz, Louis Hay, Benedikt Kuhn, Amar Priganica, Tina Schulz, Natalya Serkova, Arnold Trautwein und Isabel Waidner

curated by
Kea Bolenz und Louis Hay

Pursuing the baroque forms we follow a line that starts to vibrate. Stretched out into space, its momentum becomes the curvature of a surface, which grows into a vortex, bulging out further and further, folding in and out until it forms a complex body. In the Baroque, the mathematical theory of space is joined by the dimension of time. Under it, our line begins to lurch and create an imbalance. A break with symmetry occurs and bends the line into an ellipse. It begins to rotate and trace a spiral. If we imagine this spiral and reenact its incessant rotation in our thoughts, it creates a feeling of vertigo. Perception is thrown into a tailspin. Old familiar coordinates and orientation-giving borders dissolve. In the baroque topology, the difference between an objectively measurable external world and the subjective world of experience starts to blur. It is a fluid gesture that moves between and beyond categories formerly considered separate – body and mind, emotion and intellect, matter and information, you and I, I and O. This movement, this shape-shifting line, seems to contain valuable potential. It is this power to connect and dissolve old categories that presents itself as a baroque quality to us. With the exhibition we want to put particular attention to this as we try to make sense of the culture that surrounds us.

The exhibition is part of the program series Of Things Baroque, supported by Stiftung Kunstfonds, Kulturamt der Stadt Leipzig and Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.



D E U T S C H

Die Ausstellung Baroque Topologies versammelt internationale Positionen der Gegenwartskunst, die in ihrer eigenen Komplexität sowie im Moment dieser Kontextualisierung ein formales und inhaltliches Netz spannen, das die Gegenwart durch die Linse des Barock greifbar zu machen versucht.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Reader der sich als Experimentierfeld verschiedener Modi der Interpretation und als Reflektion auf den Stand der Textproduktion im Feld der zeitgenössischen Kunst versteht.

Maya Ben David
Jonathan Castro
Simon Denny
UCC Harlo
Su Yu Hsin
Mathieu Malouf
Arnold Trautwein
Jonas Wendelin
Leah Walker
Cajsa von Zeipel

mit Texten von
Kea Bolenz, Louis Hay, Benedikt Kuhn, Amar Priganica, Tina Schulz, Natalya Serkova, Arnold Trautwein und Isabel Waidner

Kuratiert von
Kea Bolenz und Louis Hay

Gehen wir den barocken Formen nach, folgen wir einer Linie, die in Schwingung gerät. Ins Räumliche gestreckt wird ihr Schwung zur Krümmung einer Oberfläche, die sich immer weiter aufbauscht, ein- und ausfaltet bis sich daraus ein komplexer Körper formt. Im Barock tritt der mathematischen Theorie des Raumes die Dimension der Zeit hinzu. Unter ihr beginnt unsere Linie ins Schlingern zu geraten und ein Ungleichgewicht zu erzeugen. Es kommt zu einem Bruch mit der Symmetrie, der die Linie zur Ellipse beugt. Sie beginnt zu rotieren und eine Spirale nachzuzeichnen. Stellen wir uns diese Spirale vor und vollziehen ihre unaufhörliche Drehung in Gedanken nach, erzeugt sie in uns ein Gefühl des Schwindels. Die Wahrnehmung gerät ins Taumeln. Altbekannte Koordinaten und Orientierung-gebende Grenzen lösen sich auf. In der barocken Topologie beginnt der Unterschied zwischen einer objektiv messbaren Außen- und der subjektiven Erfahrungswelt zu verschwimmen. Es ist eine fließende Bewegung, die sich zwischen ehemals getrennt betrachteten Kategorien – Körper und Geist, Emotion und Intellekt, Materie und Information, Du und ich, I und O – und über sie hinaus bewegt. Diese Bewegung, diese formgebende Linie, scheint uns ein wertvolles Potential zu enthalten. Es ist diese verbindende und alte Kategorien auflösende Kraft, die für uns eine barocke Qualität darstellt. Auf sie wollen wir in der Ausstellung einen Augenmerk legen, während wir versuchen, uns einen Reim aus der Kultur zu machen, die uns umgibt.

Die Ausstellung ist Teil der Programmreihe Of Things Baroque, unterstützt durch die Stiftung Kunstfonds, das Kulturamt der Stadt Leipzig und die Kulturstifung des Freistaates Sachsen.
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